Keramik
Der Begriff Keramik ist abgeleitet vom griechischen Wort „Keramos“, was „Ton“ bedeutet. Ton entstand viele Millionen Jahre vor der griechischen Sprache aus dem Verwitterungsprozess von Feldspäten, die mit unterschiedlichsten Beimengungen abgelagert wurden. Die Farbe des Tons ist abhängig von der Zusammensetzung des Tons, der Aufbereitung und des Brands. Vor ca. 30.000 Jahren entstanden die ersten Gegenstände aus gebranntem Ton, währen die ersten keramischen Gegenstände vor ca. 11.000 Jahren im Nildelta entstanden sind. Im römischen Reich war die erste europäische Keramikindustrie zu finden. Hier waren im gesamten römischen Reich rote, glasierte Gebrauchskeramiken, sog. „Terra Sigillata“ sehr weit verbreitet. Zu dieser Zeit wurden die typischen roten Dachziegel in rieseigen Mengen hergestellt. Bodenziegel waren im Mittelstand häufig zu finden. Die römische Fußbodenheizung z.B. basiert auf keramischen und somit hitzbeständigen Werkstoffen.
Die Farbe erhielt die Keramik durch die kontrollierte Belüftung während des Brennvorgangs im Brennofen. Schwarzer Keramik entstand unter Luftausschluss und war aufgrund der aufwendigen Abdichtung des Brennofens sehr teuer. Im Altertum wurden in Ägypten, Mesopotamien und Persien Keramikfliesen als Wandbelag angewendet. Farbig glasierte Fliesen kam mit den Mauren nach Spanien und Portugal. Die ersten nichtrömischen keramischen Bodenbeläge in Deutschland kennt man aus dem Jahre 1000. Die Keramiken verbreiteten sich durch die Handelswege der Niederländer, Spanier unter Italiener in ganz Europa. Die Herstellung war allerdings sehr aufwendig und teuer, da das technischen Wissen der Römer im Laufe der Zeit verloren gegangen war.
Im Mittelalter wurden Fliesen vor allem als Fußbodenbelag und zur Kaminumrandung in West- und Mitteleuropa genutzt. Häufig waren die Tonplatten mit Reliefverzierungen versehen und es wurde andersfarbiger Ton eingelegt, so dass ein Muster entstand. Fayencefliesen aus Italien, Spanien und Frankreich fanden vor allem im 15. und 16. Jahrhundert Erwähnung. Die Fayencen gelangten von dort aus nach Antwerpen, das sich zwischen 1520 und 1570 zum Zentrum der Fliesenherstellung entwickelte. Um 1609 nahm man die Fliesenherstellung auch in den Niederlanden auf. Die bekannten blau-weißen holländischen Fliesen erlangten eine solch große Bedeutung, dass sie sogar wieder nach Portugal exportiert wurden und dort die Herstellung von „Azulejos in der holländischen Mode“ anregten. Auch nach Norddeutschland und Dänemark wurden diese Fliesen importiert und für ganze Stuben verwendet. Die Kunst der Aufbereitung und Mischung der Rohstoffe war bei den damaligen Handwerkern ein gut behütetes Geheimnis. Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert stieg die Verbreitung von keramischen Bodenbelägen sehr an. Bevor sich eine eigenständige Industrie entwickelte, beschäftigten sich Ziegeleien mit der Herstellung. Bis heute überwiegt die maschinelle Herstellung, obwohl es immer noch kleine handwerkliche Betrieb gibt, die individuelle Keramiken erstellen.
Keramiken, die von Hand geformt sind, findet man heute nur noch bei Cotto oder bei Spezialanwendungen. Die moderne Keramikherstellung bedient sich dem Strangpressverfahren und der Pulverpressung, auch Trockenpressung genannt. Spaltplatten z.B. haben ihren Namen dadurch, dass die Doppelplatten nach dem Brennen gespalten werden. Eine weitere Methode zur Herstellung von Keramik ist das Trocken-Pressverfahren. Hierbei wird speziell aufbereitetes Keramikpulver mit einem hohen Druck in Form gepresst und dann erst gebrannt.